Zum Inhalt springen
FestwieseFeste & Brauchtum

Essen & Trinken

Festwirtschaft: Ausschank, Marken und Abrechnung

Zwischen Fassanstich und Schlussbilanz liegen Tausende Einzelvorgänge. Wer sie nicht ordnet, merkt erst im Herbst, dass das Fest Geld gekostet hat.

Essen

Nach Feierabend liegen ein aufgeschlagenes Kassenbuch, Rollen bunter Wertmarken und ein Taschenrechner auf einem Tresen unter einer Lampe.
Nach dem letzten Gast beginnt die zweite Schicht: zählen, sortieren, eintragen, und alles doppelt.

Die Festwirtschaft ist der Teil des Fests, über den am wenigsten geschrieben und am meisten gestritten wird. Sie finanziert Musik, Zelt und Schmuck, und sie tut das mit einer Marge, die kleiner ist, als Außenstehende vermuten. Zwischen Einkaufspreis und Abgabepreis liegen Schwund, Personal, Kühlung, Gebühren und ein Wetterrisiko, das sich nicht versichern lässt.

Wer eine Festwirtschaft plant, rechnet deshalb nicht mit einem Preis, sondern mit einer Kette von Annahmen. Je genauer diese Kette dokumentiert ist, desto ruhiger verläuft die Nachbesprechung.

Einkauf und Schwund

Der Einkauf richtet sich nach Erfahrungswerten aus den Vorjahren, korrigiert um Wetterprognose und Wochentagslage. Zwei Größen sollte jede Kalkulation ausweisen: die erwartete Absatzmenge und den Schwund. Schwund entsteht durch Schaum beim Zapfen, Bruch, Freigetränke für Helfer und Restbestände, die nicht zurückgehen. Wer ihn nicht einplant, findet ihn später in der Bilanz.

Posten, die in keiner Kalkulation fehlen dürfen
PostenWird oft vergessen
GetränkeeinkaufPfand, Kühlung, Rücknahme unangebrochener Fässer
SchwundSchaum, Bruch, Helferverzehr, Restmengen
PersonalSchichtwechsel, Verpflegung, Versicherung der Helfenden
TechnikStrom, Kühlwagen, Zapfanlage, Reinigung der Leitungen
AbgabenMusikanmeldung, Genehmigungen, Abfallentsorgung
WetterrisikoRücklage, weil ein Regentag den Absatz halbiert

Warum Wertmarken die Arbeit halbieren

Wertmarken sind kein Relikt, sondern ein Werkzeug. Sie trennen den Zahlvorgang vom Ausschank: An der Theke wird nur noch getauscht, nicht gerechnet. Das beschleunigt die Ausgabe erheblich, reduziert Fehlbeträge und macht die Abrechnung nachvollziehbar, weil jede ausgegebene Marke gezählt wurde.

Drei Punkte entscheiden über den Erfolg: eine ausreichende Zahl an Verkaufsstellen, klar unterscheidbare Farben je Wert und eine Regel für nicht eingelöste Marken. Wer sie am Dienstag noch in der Tasche hat, löst sie in vielen Orten in den Gaststätten ein. Das ist kein Zufall, sondern eine Absprache, die dem Ort einen zusätzlichen Abend bringt.

Eine Helferin reicht an einem kleinen Holzstand Rollen bunter Wertmarken über den Tresen, dahinter hängt eine Preistafel.
Der Markenstand öffnet früher als die Theke und schließt später: hier läuft das ganze Geld durch.
Hinter dem Zelt stehen gestapelte Bierfässer neben einem offenen Kühlwagen, Schläuche liegen über dem Boden.
Die Rückseite des Fests: Kühlwagen, Leitungen und ein Bestand, der stündlich schrumpft.

Personal und Schichten

Eine Festwirtschaft lebt von Ehrenamt, und Ehrenamt lebt von planbaren Schichten. Vier Stunden sind eine gute Länge, sechs sind das Maximum, danach steigen Fehler und Schwund messbar. Jede Schicht braucht eine verantwortliche Person, eine Übergabe und eine kurze Zählung an der Kasse. Wer nur zwei Zählungen pro Tag macht, kann später keinen Fehler mehr eingrenzen.

Wie Vereine diese Schichten besetzen und warum die Verteilung wichtiger ist als die Zahl der Mitglieder, steht im Text über das Organisieren des Vereinslebens.

Die Abrechnung

Die Schlussrechnung entsteht nicht am Mittwoch, sondern parallel: jeden Abend die Kasse zählen, jeden Morgen den Bestand aufnehmen, jede Lieferung quittieren. Am Ende stehen drei Zahlen nebeneinander, die zusammenpassen müssen: ausgegebene Marken, eingelöste Marken und verkaufte Menge. Weichen sie stark voneinander ab, liegt der Fehler fast immer bei einer nicht dokumentierten Freigabe.

Wer diese Disziplin hält, kann im Verein offen über Zahlen reden. Und das ist am Ende wichtiger als jeder einzelne Euro, denn das nächste Fest wird von denselben Leuten gestemmt.

Weiterlesen

Wie das Zelt eingerichtet sein muss, damit die Theke überhaupt funktioniert, steht bei Festzelt und Biergarten. Was neben dem Bier verkauft wird, zeigen die Spezialitäten vom Festplatz.

Für die Kommunikation mit den Mitgliedern über Schichten und Termine hilft der Beitrag über den Vereinsnewsletter.