Zum Inhalt springen
FestwieseFeste & Brauchtum

Journal

Die Kappentaufe: ein Brauch für Neue

Ein kleiner Brauch am Rand des Programms, der mehr über einen Verein sagt als die Festrede: die Aufnahme der Neuen, öffentlich und mit Publikum.

Journal

Mehrere Hände halten eine nagelneue Kappe über einen Tisch im Festzelt, ringsum stehen Gläser und lachende Gesichter.
Die Kappe ist neu, und das sieht man. Nach diesem Abend sieht man es nicht mehr, und darum geht es.

Zwischen dem offiziellen Teil und der Tanzmusik liegt in vielen Vereinen ein kleiner Programmpunkt, der in keinem Ablaufplan steht: die Aufnahme der Neuen. Sie geschieht im Zelt, im Stehen, mit Publikum, und sie dreht sich um eine Kopfbedeckung, die an diesem Abend zum ersten Mal getragen wird.

Der Brauch heißt in manchen Gegenden Kappentaufe. Die neue Kappe wird eingeweiht, meist mit einem Getränk, unter Zurufen und mit einem Spruch, den jemand auswendig kann. Danach ist sie nicht mehr neu, und ihr Träger gehört dazu.

Warum ausgerechnet die Kappe

Weil sie sichtbar ist. In einem Zelt mit tausend Menschen erkennt man Zugehörigkeit an drei Dingen: an der Kopfbedeckung, am Abzeichen und daran, an welchem Tisch jemand sitzt. Eine funkelnagelneue Kappe fällt auf, und genau das macht sie zum Gegenstand des Brauchs. Die Taufe beseitigt das Neue und ersetzt es durch Geschichte.

Praktisch ist es zugleich eine Vorstellung. Wer getauft wird, wird genannt, und die Umstehenden wissen danach, wer er ist und zu welchem Zug er gehört. In einem großen Verein ersetzt das eine halbe Mitgliederversammlung.

Was der Brauch tatsächlich leistet

  • Namen: die Neuen werden öffentlich vorgestellt, nicht per Liste.
  • Zuordnung: jeder weiß danach, zu welcher Gruppe jemand gehört.
  • Erlaubnis: ab jetzt darf man sich einmischen, auch als Neuer.
  • Erinnerung: ein Datum, an das sich alle Beteiligten erinnern.

Genau darin liegt der Grund, warum solche kleinen Formen überleben, während größere Programmpunkte verschwinden. Sie verteilen Rollen, und wer eine Rolle hat, kommt wieder. Der Text über Brauchtum und Weitergabe beschreibt dieses Muster genauer.

Eine Anmerkung

Wo der Brauch gepflegt wird, gehört ein Maß dazu: Die Aufnahme soll willkommen heißen, nicht prüfen. Vereine, die das im Blick behalten, gewinnen darüber Mitglieder. Wie sie diese danach halten, steht im Beitrag über das Organisieren des Vereinslebens.

Weiterlesen

Die Notiz vom Montagvormittag steht unter Der Vogel ist unten. Wo im Zelt das alles passiert, zeigt Festzelt und Biergarten.